Skip to main content
Themen im Fokus

Im Schadenfall zählt jede Stunde – Interview mit Henri Jourdain

By 11. August 2026August 20th, 2026No Comments

Interview mit Henri Jourdain, Betriebsleiter  EARL Médiserres, Pierrelattes, Frankreich

 

 

Wie hat sich Ihr Betrieb entwickelt, und wie sind Sie zu Hortisecur gekommen?

Bei Hortisecur sind wir seit 2013 versichert. Davor haben wir mit mehreren Versicherern zusammengearbeitet. Und jedes Mal, wenn tatsächlich etwas passiert ist, waren wir nicht abgesichert.

In einem Jahr hat jemand Unkrautvernichter in unseren Gewächshäusern verteilt: Die Pflanzen gingen ein, und der Schaden war nicht versichert. Ein anderes Mal hatten Hochspannungsleitungen über den Gewächshäusern nachts Eis angesetzt. Gegen zehn Uhr morgens prasselten die Eisbrocken regelrecht auf unsere Gewächshäuser nieder. Der SChaden war enorm. Doch wir hatten damals gerade den Versicherer gewechselt und waren daher wieder nicht abgesichert. Bei jedem außergewöhnlichen  Problem standen wir ohne Netz da. Daher sind wir froh, heute mit einer berufsständischen VVaG zusammenzuarbeiten, die unsere spezifischen Risiken wirklich ernst nimmt.

Ich kam 1989 nach Pierrelatte. Die ersten Gewächshäuser dort stammen von 1984. Sie wurden gebaut, um die Abwärme des benachbarten Kernkraftwerks zu nutzen. Doch die Anfänge waren  schwierig: Die Winter 1984 und 1985 waren außergewöhnlich kalt. Mehrere Betriebe scheiterten bereits im ersten Jahr an der Kälte.

Lange Zeit bedeutete „modern sein“ schlicht, die Gewächshäuser um einen Meter zu erhöhen. Der eigentliche Durchbruch kam mit den halbgeschlossenen Gewächshäusern mit Temperatur- und Feuchtigkeitsregelung. Die ersten, die solche Gewächshäuser in Frankreich bauten, waren die Cléments, um 2012. Wir haben sie besucht, wurden überzeugt und haben 2014 unser erstes Gewächshaus dieser Art am Standort l’Étang gebaut. La Simonnière folgte 2017, Startom im vergangenen Jahr.

 

Welche Wetterphänomene stellen für Ihre Produktion die größte Gefahr dar?

Unser größter Vorteil ist, dass wir unter Glas produzieren. Regen macht uns nichts aus, und auch von den Außentemperaturen sind wir weitgehend unabhängig. Denn die Temperatur im Gewächshaus können wir regulieren. Wenn ich im Fernsehen Kulturen sehe, die durch Überschwemmungen oder Hagel verwüstet werden, denke ich: Wir haben Glück.

Wind haben wir ebenfalls relativ gut im Griff. Unsere Gewächshäuser halten dem Mistral gut stand, selbst bei 130 km/h. Einmal ist allerdings eine Zeder umgestürzt und hat eine ganze Wand mitgerissen. Ich habe an diesem Tag Thierry Grange von Hortisecur angerufen. Er war vor Ort, noch bevor wir überhaupt nach Ersatzscheiben gesucht hatten. Genau das erwartet man von einem Versicherer: dass er schnell reagiert. Denn eine offene Wand bedeutet Insekten und damit eine ganze Reihe weiterer Probleme.

Wir haben auch einen Brand durch ein Schwefelgerät erlebt. Ein Mitarbeiter reagierte im ersten Moment falsch und hob das brennende Gerät hoch. Daraufhin griff das Feuer um sich. Was mich beeindruckt hat, war die Schadenregulierung: Der Gutachter kam gemeinsam mit einem Erzeuger. Die beiden haben sich beraten und kamen zu einer Schadenssumme, die exakt unserer Berechnung entsprach, bei der wir die nicht angefallenen Kosten berücksichtigt hatten.  Das zeigt für mich, dass das System fair ist.

 

Wie hat der Klimawandel die Risiken für Ihren Betrieb verändert?

Seit drei Jahren haben wir draußen regelmäßig Temperaturen von über 40 Grad. Das hatte ich vorher noch nie erlebt. Dank der halbgeschlossenen Gewächshäuser steigt die Temperatur im Inneren jedoch nicht über 30 Grad. Kollegen mit klassischen Gewächshäusern hatten in diesen Sommern Probleme beim Fruchtansatz – wir nicht.

Kälte bereitet uns größere Sorgen. Wir sind an das Fernwärmenetz des Kraftwerks mit seinen 14 Kilometern Rohrleitungen angeschlossen. Vor der Sanierung kam es häufig zu Ausfällen. Manche Notheizungen liefen mit Heizöl. Doch an Feiertagen konnte manchmal kein Heizöl geliefert werden. Deshalb haben wir Pufferbecken mit 2.000 Kubikmetern Fassungsvermögen installiert – Warmwasserspeicher, mit denen wir bei einer Unterbrechung einige Stunden überbrücken können. Die braucht man nicht, solange alles gut läuft. Aber wenn es ein Problem gibt, sind sie unbezahlbar.

An Schnee denkt man heute kaum noch. Trotzdem bleibt er ein reales Risiko. In Perpignan hat starker Schneefall vor einigen Jahren Gewächshäuser einstürzen lassen. Wenn mir jemand sagt: „Seit 20 Jahren hat es hier nicht mehr geschneit“, antworte ich: „Genau deshalb ist das Risiko umso größer.“ Eines Nachts lag bei mir zu Hause Schnee – ich wohne auf 300 Metern Höhe – und ich konnte nicht feststellen, wie die Lage bei den Gewächshäusern war. Also bin ich um zwei Uhr morgens ins Auto gesprungen und hingefahren. In der Ebene lag nichts. Ich bin unverrichteter Dinge zurückgekehrt. Aber ich bereue nicht, nachgesehen zu haben.

 

Welche konkreten Vorteile bieten halbgeschlossene Gewächshäuser?

Das Prinzip ist einfach: Das Gewächshaus steht unter leichtem Überdruck. In einem integrierten Korridor mischen wir Außen- und Innenluft, befeuchten sie über bewässerte Pappwaben-Pads und leiten sie über Luftkanäle ins Gewächshaus. Während sich die Luft dort verteilt, wird sie trockener und kühlt ab. Das ist das Prinzip der Verdunstungskühlung. So können wir Temperatur und Luftfeuchtigkeit wesentlich präziser steuern als in einem klassischen Gewächshaus.

Wir haben auch Sicherheitsöffnungen eingebaut: Bei einer Störung der Stromversorgung können wir das Gewächshaus manuell öffnen und so verhindern, dass die Temperatur zu stark ansteigt. Manche Hersteller haben uns von dieser zusätzlichen Investition abgeraten. Wir fanden aber, dass sie sich für solche Ausnahmefälle lohnt. Und genau in solchen Momenten entscheidet sich oft alles.

In unserer Gruppe Rougeline wurden in den vergangenen Jahren rund 50 Hektar neue Gewächshäuser gebaut, fast alle halbgeschlossen. Selbst die größten Skeptiker haben ihre Meinung nach den heißen Sommern geändert. Diese Gewächshäuser kosten etwa das Anderthalbfache eines modernen Standardgewächshauses. Das ist eine erhebliche Investition, aber sie lohnt sich.

Was ist der Mehrwert einer spezialisierten Versicherung wie Hortisecur? Und was ist im Fall eines größeren Schadens entscheidend?

Für mich passt Hortisecur besser, weil Sie unsere Branche kennen. Bei unserem vorherigen Versicherer verstanden die Ansprechpartner die Besonderheiten unseres Betriebs nicht. Nicht aus bösem Willen, sondern weil der Gewächshausgartenbau eine ganz eigene Welt ist. Mit Hortisecur sprechen wir dieselbe Sprache. Und durch die Erfahrungen, die Sie mit Ihren Versicherten sammeln, kennen Sie auch die möglichen Probleme sehr genau.

 

Was ist entscheidend? Zuerst die Reaktionsgeschwindigkeit. Bei einer offenen Wand zählt jede Stunde. Ebenso wichtig ist die fachkundige Einschätzung des Schadens. Unsere Kulturen sind lebendig – die Folgen eines Schadens zeigen sich nicht immer sofort. Deshalb gehen wir oft in zwei oder drei Schritten vor: zunächst eine erste Bestandsaufnahme, dann zwei Wochen später eine Nachkontrolle, um die tatsächlichen Folgen zu bewerten. Wenn dann der Gutachter gemeinsam mit einem Erzeuger kommt, der unsere Sprache spricht, und am Ende zu derselben Einschätzung kommt wie wir, ist das beruhigend. Es zeigt uns, dass das System fair ist.